Hintergedanken
Aus meiner Sicht auf die Welt
hat sich eine Haltung der Konsumverweigerung ergeben, so dass ich möglichst
wenig gekaufte Güter jeder Art besitzen möchte. Darum beschränke
ich mich lieber auf Ressourcen, die sich aus dem blinden Umgang mit Dingen ergeben,
welche Andere zuvor unbedingt besitzen wollten. Müll durch ein zweites
oder ein verlängertes Leben wieder zu einem Objekt der Begierde für
jene zu machen, die Ihn zuvor wegwarfen, sehe ich als einen Schritt dahin neue
Kreisläufe zu schaffen und auf bestehende aufmerksam zu machen. Aus den
weggeworfenen Konsumgütern der zivilisierten Welt Kunst herzustellen,steht
für eine Sensibilisierung für die ungleichgewichtige Verteilung dieser
Güter.
So lässt sich z.B. aus dem Sperrmüll einer kleinen Straße bequem
eine Wohnung einrichten. Müll wird als wertlos angesehen und ist in erster
Linie umsonst und bietet sich daher schon als Arbeitsmaterial an, zumal sich
so auch für mich eine Chance bietet, ohne oder mit nur wenig Geld meine
Projekte zu verwirklichen. Sozusagen "low budget" Kunst.
Mit dem Verkauf meiner Objekte verfolge ich keine kommerzielle Absicht, und
betrachte dieses eher als einen weiteren Kreislauf. Um eine stärkere Bindung
des Wertes an das Objekt zu erreichen, muss mit mir jeder Preis neu verhandelt
werden. Diese individuelle Wertschätzung halte ich für wichtiger als
festgelegte Preise.
Wird zb. ein Portemonnaie bei mir bestellt, wird es üblicherweise von mir
ausgetrunken - und hier erhält der Kunde bereits die erste Dienstleistung.
Der Käufer finanziert meinen Durst und erhält hierfür ein Objekt,
das er durch seine Motivwahl mitbestimmt. Somit bin ich zumindest teilweise
aus dem Kreislauf meinen Durst immer mit Geld zahlen zu müssen ausgestiegen.
Was als Müll betrachtet wird, und was nicht, liegt letztlich wie auch die
Schönheit der Dinge, im Auge des Betrachters. Im täglichen Gebrauch
werden Konsumgüter durch Ihr Benutzen scheinbar zu Abfall. Bei genauerem
Hinsehen geschieht dieses fast willkürlich.
Nach ihrem Gebrauch scheinen diese Güter ihre Bestimmung erfüllt zu haben. Unsere Gesellschaft hat einen subtilen Katalog möglicher Entwertungsmechanismen entwickelt. Zu häufig kennen wir die Preise der Dinge, nicht aber ihren Wert. Die chinesische Vase mag meinem Empfinden nicht mehr zu entsprechen und wird daher zu Müll erklärt, während das getrocknete und gepresste Blatt, das wertlos zwischen den Briefen liegt, aber voller Erinnerung ist, wert ist, aufgehoben zu werden.
Das zuviel Besitz anscheinend
belastet und Konsum zum Selbstzweck geworden ist, erkennt man deutlich, wenn
noch Gutes nicht erhalten, repariert oder transformiert wird sondern, weggeworfen
wird, um somit Platz für Neues zu schaffen. Neues, durch das man sich auch
wieder neu identifizieren kann und sich für eine Weile, wenn auch verschuldet,
neu oder auch jung fühlt. Ein weiterer Aspekt hierbei ist ein bemerkenswerter
Kaufwille der an den Tag gelegt wird. Ohne einen Gedanken daran, das man zum
Beispiel die Geldbörsen ohne großen handwerklichen und intellektuellen
Aufwand selber machen kann. Bringt es tatsächlich mehr Befriedigung sagen
zu können: "das habe ich gekauft", als "das habe ich gemacht"
?
Schnell ist man der Sklave seines Besitzes und ist gezwungen sich und sein Leben
danach auszurichten.
Beruf hat nur noch bei wenigen Menschen in unserer Gesellschaft etwas mit Berufung
zu tun.
Und manchem mag es auch als Bank, - oder Einzelhandelskaufmann gelingen, sich
in diesem Kreislauf wohl zu fühlen und sich einfach über das zu identifizieren
was er besitzt. Auch dann noch, wenn Er oder Sie bemerkt, das nicht Sie die
Dinge besitzen, sondern das es sich einfach oft umgekehrt verhält.
Recycling ist erst durch sein wirtschaftliches Potential in unser Bewusstsein
gerückt, obwohl die Natur seit eh und je konsequent nach diesem Prinzip
verfährt.
Vielleicht sind solare Ökobauern
noch in der Lage, sich selbst autark und autonom zu versorgen, die meisten anderen
Menschen jedoch begeben sich wohl, jeder ein Stück weit, bewusst oder unbewusst,
in ein wirtschaftliches Gefängnis. Ein Gefängnis in dem es Ihnen zugunsten
eines fragwürdigen Kreislaufs verwährt wird sich zu entwickeln.
Um so bewusster der Umgang mit Kreisläufen aller Art, auch dem des Geldes,
desto haltbarer z.B. auch der Inhalt der Portemonnaies. Eine Mindesthaltbarkeit
ist ja schon angegeben.
Daher halte ich gerade die Geldbörse aus Getränkekarton und den Käseschrank
aus Sperrmüll, welcher ausdrückt das es Käse war Ihn für
Abfall zu halten, für eine schöne Metapher.
Zum Schluss noch warum Wunsch-los:
Wunsch-los ist es schwer zu werden.Auch ist es schwer sein persönliches
Wunsch-los zu finden.
Ich werde weiterhin auf Wunsch einige Wünsche erfüllen, vielleicht
einen Produkt- oder Motivwunsch.
Jedoch noch eine Warnung!
Ein Wunsch da er befriedigt gebiert augenblicklich Junge.
Und Eigentum macht eigentümlich.
Noch eine Anmerkung zur Frage ist das überhaupt Kunst.
Wie erkennt man nun Kunst?
Nie wurden anschaulichere Worte dafür gefunden als im Zen-Buddhismus. Lauschen
wir dem folgenden Koan:
"Am Anfang sind die Berge Berge und die Bäume Bäume.
Bist Du auf dem Weg, sind die Berge keine Berge und die Bäume keine Bäume
mehr. Im Zustand der Erleuchtung sind die Berge wieder Berge und die Bäume
wieder Bäume."Was also ist der Unterschied zwischen Kunst und Abfall?
Der Unterschied zwischen Abfall und Kunst ist der Unterschied zwischen dem Berg
des Anfangs und dem Berg des Endes.